Liebe Patienten,

seit der letzten Ausgabe sind 4 Wochen vergangen in denen wir gelernt haben mit dem Virus umzugehen. Abstand halten, Masken tragen, möglichst daheim bleiben und und und …. Ich meine wir waren sehr brav und haben das gut gemacht. Die Zahlen sprechen für uns. Nicht nur die von der Johns Hopkins Universität aus einem Land das sich als gelinde gesagt überfordert mit dem Krisenmanagement erwiesen hat. Dem guten Trampel fällt langsam auch nichts mehr ein. Jetzt prüft er Regressansprüche gegenüber den Chinesen.

Zurück zu den Zahlen. Sind wir eigentlich zu dämlich selbst zu zählen? Das RKI lässt die Katze nur sehr ungern aus dem Sack. Die allwissenden Virologen müssen zugeben dass Sie mit ihren Prognosen – Gott sei Dank – ziemlich danebengelegen haben. Der Verwaltungsdirektor einer großen Klinik berichtete mir dass er und seine Kollegen schon vor über 2 Wochen an Herrn Spahn herangetreten sind mit der Bitte, doch die für Corona Patienten geparkten Intensivbetten anderweitig nutzen zu dürfen.  Es herrscht Langeweile auf den Intensivstationen. Er versicherte mir, dass man bei Bedarf innerhalb von 72 Stunden den ursprünglichen Bestand wieder herstellen kann. Also genügend Zeit um adäquat reagieren zu können. Am 30.04.2020 hat Herr Spahn dem Vorschlag zugestimmt. Da hat der Steuerzahlen 14 Tage ungenutzte Intensivmedizin bezahlt und die lange Liste an notwendigen Operationen hat sich nicht unerheblich verlängert. An die psychische Belastung für die Patienten die auf einen Eingriff warten müssen denkt keiner.

Bitte glauben Sie mir ich möchte Sie nicht weiter verunsichern. Doch halte ich es für sinnvoll Ihnen ein paar Hintergrundinformationen zu liefern an die Sie aus gutem Grunde sonst nicht herankommen.

Zum Thema Überbrückungsgelder kann ich Ihnen sagen, dass das Ausfüllen der Bögen – wenn man überhaupt auf die richtige Seite gekommen ist – alles andere als unbürokratisch war. Ohne meinen Steuerberater hätte ich das nicht geschafft.  Den Antrag haben wir vor 4 Wochen gestellt. Angekommen ist bislang kein Cent. Dafür haben Hacker offensichtlich Millionen abgegriffen. Die Internetseite der Niedersachsenbank war wohl nur stümperhaft abgesichert.

Beim Kurzarbeitergeld ist es ähnlich. Die Agentur für Arbeit hat mir 3 Wochen nach Antragstellung den Eingang und die Richtigkeit bestätigt und ihn dann zuständigkeitshalber an die Agentur für Arbeit in Osnabrück weitergeleitet. Zwischenzeitlich hat die Bundesregierung eine schrittweise Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 80 % bzw. 86 % beschlossen. Das ist ihre wahre Stärke: Beschlüsse, Konferenzen, Talkshowpräsenz. Da fällt mir ein Satz von Helmuth Kohl ein: entscheidend ist was hinten herauskommt. Und das ist leider nicht viel liebe Bundesregierung.

Ostern war es endlich soweit: Herr Spahn hat beschlossen doch noch einen Rettungsschirm für Zahnarztpraxen aufzumachen. 90 % Prozent der Vergütung  aus dem gleichen Monat des vergangenen Jahres sollten wir bekommen stand es zu lesen. Ich höre schon die Stimmen: viel zu viel, die haben es gut, es gibt Bedürftigere …. kann ich gut verstehen. Aber auch hier lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Die 90 % beziehen sich  auf GKV-Leistung ohne Zahnersatz. Private Zuzahlungen z.B. bei Prophylaxebehandlungen oder Füllungszuschläge werden nicht mitgerechnet. Behalten darf man letztlich sowieso nur 30 Prozent der zu viel gezahlten Leistungen. Den Rest muss man 2021 und 2022 zurückzahlen. Im Klartext heißt das von der Hälfte aller Einnahmeausfälle werden 30 % erstattet und ca. 85 %  müssen wir selbst tragen. Einfach toll. Also allenfalls ein Schirmchen. Und das hat die SPD-Fraktion noch abgelehnt. Vielen Dank liebe Genossinnen und Genossen.

Es geht übrigens um Geld das die kranken Kassen ohne Corona sowieso ausgegeben hätten. Ihre Beiträge haben sie übrigens pünktlich eingezogen – in voller Höhe. Ihre Ausgaben im Bereich Zahnersatz und Prophylaxe sind unter 10 % gesunken. Partnerschaftliche Zusammenarbeit sieht anders aus.

Übrigens: es wurde so wenig getestet weil die kranken Kassen die Tests nur bei „begründetem“ Verdacht bezahlen wollten. Jetzt hat Herr Spahn eingegriffen und Impfstoffe  für den Winter eingekauft die von den Ärzten angefordert werden können ohne dass Sie Regressforderungen von kranken Kassen befürchten brauchen. Das war übrigens ein Hauptgrund das bei der Influenzagrippewelle 2015/2016 trotz reichlich vorhandenen Impfstoffes kaum 10 % der Bevölkerung geimpft wurden. Die Influenza hat seinerzeit über 25.000 Menschen das Leben gekostet.

Zu den Masken habe ich einen Leserbrief in den GN geschrieben. Zwischenzeitlich können Sie Masken auch in einem Sportgeschäft in Nordhorn kaufen. Zu einem Wucherpreis versteht sich. Wir haben die gleichen Masken im Vorjahr für 13 Cent pro Stück mit einem Abrufkontingent gekauft. Seit dem  19. Februar werden wir nicht mehr beliefert. Wen wundert es. Wenn man Sie jetzt für 2 Euro kaufen kann .. Ich möchte den Inhaber mal hören wenn es beim Metzger um die Ecke Fußbälle und beim Bäcker gegenüber Laufschuhe geben würde. Aber so ist das in der Krise. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Leider ist der Verliereranteil um ein vielfaches größer.

Völlig unverständlich ist für mich warum man nicht bei der Vielzahl der Genesenen deren Blut analysiert und bei einem ausreichend hohen Anteil an Antikörpern deren Plasma den schwer infizierten zur Verfügung stellt, um den Verlauf der Erkrankung zu mildern und ggfls. zu verkürzen. Wäre relativ einfach und schnell machbar.

Ich habe jetzt gelesen, dass die Uni Frankfurt mit einer Testreihe gestartet ist. Das bedeutet bei unserer Schwerfälligkeit im Gesundheitswesen das vor 2021 nicht mit einem Umsatz in die Praxis zu rechnen ist.

Was mich wundert ist das eine überwältigende Mehrheit im Lande mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung  so zufrieden ist. Die CDU hat atemberaubende Werte knapp unter 40 % erreicht. Es kursieren Gerüchte das Frau Merkel überlegt ob Sie nicht doch ……. Bitte, bitte liebe Angie tu uns das nicht an.

Unter den o.g. ist der Anteil offensichtlich auch sehr hoch der denkt, dass er von der Wirtschaftskrise verschont bleibt. Ich möchte an dieser Stelle warnen. Das Risiko dass die Staatsverschuldung aus dem Ruder läuft steigt mit jedem Tag des Shutdowns. Ebenso die Inflationsgefahr. Die Corona-Kur kommt teuer. Und das müssen wir Bürger zahlen. Haben Unternehmen keine Einnahmen, versiegt die Steuerquelle für den Staat bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit und Überstrapazierung der Sozialsysteme. Pures Gift für den sozialen Frieden.

Deshalb ist es ganz wichtig die Wirtschaft so bald wie möglich und so umfassend wie möglich wieder anlaufen zu lassen. Das sollten wir mit Abstands- und Hygieneregeln hinkriegen. Packen wir es an!

Diesmal gibt es wieder keinen Fußballkommentar. Die aktuelle Diskussion kotzt mich genauso an wie die Forderung des VW-Chefs nach Staatshilfe. Geht’s noch?

Was gibt es neues in der Praxis?

Meine Mitarbeiterinnen haben die Einführung der Kurzarbeit mit einer Ausnahme verstanden und mitgetragen. Vielen Dank dafür. Ich hoffe, dass ich Sie bald wieder voll beschäftigen kann.

Und noch etwas Erfreuliches. Es hat ein Namenswechsel stattgefunden. Manuela hat unter ganz besonderen Umständen geheiratet und Joostberends gegen Habers getauscht. Herzlichen Glückwunsch nochmals und alles Gute für die gemeinsame Zukunft.

Auch in Corona-Zeiten gilt – kein Praxis-Intern ohne Spruch.

Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt

(Arthur Schopenhauer)

In diesem Sinne – bleiben Sie gesund

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Dirk Schlieper