Liebe Patienten,

Haben Sie die Nase vom Wetter auch so voll wie ich? Ich kann es nicht mehr sehen. Im Urlaub in Österreich war es auch nicht besser. Eigentlich wollte ich auf dem Berg Skifahren. Ist leider nichts draus geworden. Orkanböhen und ein grippaler Infekt haben mich in „kooperativer Gemeinschaftsarbeit“ davon abgehalten. Letztlich habe ich meine Frau auch noch angesteckt.

Apropo .. der Coronavirus kommt offensichtlich immer näher oder ist gar schon angekommen. Die Symptome ähneln denen eines grippalen Infektes. Das macht ihn so gefährlich. Die diagnostische Absicherung kann erst durch weiterführende Untersuchungen erfolgen. Die Virologen werden zwar nicht müde uns zu erklären Sie sähen keine Gefahr und hätten alles im Griff. Aber ganz so sicher bin ich da nicht.

Meine Empfehlung: viel trinken (damit meine ich mindestens 2-3 Liter am Tag), Taschentücher sofort entsorgen, wenig Hände schütteln und mehrmals täglich dieselben gründlich waschen (ca. 2 Minuten mit Seife). Gesichtsmasken können Sie sich sparen. Die nutzen nichts und der Karneval ist auch schon vorbei. Eigentlich haben wir ja in Deutschland schon genug an den Hacken und kämen gut ohne den Virus aus.

Ich bin offen gesagt traurig, wütend und sprachlos (das will bei mir schon etwas heißen) zugleich wie sich die Menschen zu einem nicht unerheblichen Teil verändert haben. Stichworte Aussländerfeindlichkeit, Rassismus, Gewaltbereitschaft – Sie wissen schon was ich meine ohne ellenlange Auflistungen. Schuld daran sind die Linken und die AFD hört man immer wieder von den etablierten Parteien.

So einfach ist das nicht meine Damen und Herren. Wer hat denn diesen beiden Flügel so stark gemacht? Das waren doch gerade Frau Merkel et.al. mit Ihrer desaströsen Flüchtlingspolitik. Die Groko hat die Menschen besonders im Osten nicht mehr erreicht bzw. für Sie nichts erkennbar Positives geleistet. Der Großteil der Bevölkerung fühlt sich abgehängt und das ist ein Pulverfass. Der Mensch ist – so habe ich es  in den zwei Semestern Psychologie die ich studiert habe immer wieder gehört – ein Herdentier. Er möchte dazu gehören. Wenn er keinen Anschluss mehr findet und sich nicht verstanden fühlt reagiert er so wie geschehen irrational. Er wählt extrem rechts oder links.

Klar. So einfach ist das nicht höre ich Sie sagen. Weiß ich. Aber im Grundsatz habe ich recht oder? Für weitere Differenzierung fehlt mir die Zeit und der Platz. Schlimm finde ich das keiner den A.. in der Hose hat. Zuzugeben das man da etwas falsch gemacht hat und sich einmal wirklich bewusst macht was für ein Bild man in der Öffentlichkeit abgibt.

Den Thüringer Landtag als Kasperltheater zu bezeichnen wäre schon eine heftige Beleidigung der Augsburger Puppenkiste. So nun mache ich Schluss bevor ich mich in Rage schreibe, obwohl mir eigentlich danach ist.

Was gibt es neuen in der Praxis?

Frau Asman ist seit dem 1. März offizielles Mitglied im Club. Wir sind uns nicht einig ob wir nochmal eine Azubi-Stelle ausschreiben sollen. Ich habe neulich gesehen dass man einen PKW zur Verfügung stellt. Da muss ich mal bei den Krankenkassen fragen, ob es so ein Auto auf Karte gibt ….. Vielleicht klappt es dann. Und bei erfolgreichem Abschluss und Verlängerung des Arbeitsvertrages sollte man dann über eine 14tägige Kreuzfahrt nachdenken ..

So nun aber zum Fachbeitrag dieser Ausgabe. Diesmal geht es um die liebe „Bürokratie , der Wahnsinn ohne Ende“.

Angestellte Zahnärztin geht, wer wird Datenschutzbeauftragter (brauchen wir wirklich einen?) – Amalgamabscheider vielleicht defekt, wer prüft schnell, dürfen wir weiterarbeiten? – Krankenkasse akzeptiert keine Bissflügelaufnahmen für Paro, hilft Begründung? – Mitarbeiter-Beiträge für Praxishandbuch lesen und korrigieren – Elektrofirma hat keine Zeit mehr, wer darf elektrische Prüfung machen, bis wann nötig? – Bewerbungsgespräche führen – Betriebsanleitung für Trittleiter fehlt, wo gibt’s die neue Leiter?

Das Zitat stammt aus der aktuellen To-do-Liste einer Kollegin in eigener kleiner Praxis. Geschätzter Zeitaufwand: mindestens eine Stunde, wahrscheinlich noch abends. Eine Stunde, in der sie nicht behandeln kann, eine  Stunde, in der sie kein Geld verdient, ein Abend, an dem sie sich  gern um ihre Familie gekümmert hätte. Die Kollegin ist Managerin, Abteilungsleiterin, Controllerin, Personalerin, Technik-, Rechts- und Hygienevorstand, und – ja richtig – Zahnärztin ist sie auch noch. Alles in einer Person, alles, damit 14 Mitarbeiterinnen  und Mitarbeiter ihr Geld verdienen und die Patienten gut und vor allem „legal“ versorgt werden können.

Hinter jedem To-do steckt eine Behörde, eine Norm, ein Gesetz, eine Hersteller-Lobby, in jedem Einzelfall eine „große“ Wichtigkeit mit vermeintlich guter Begründung. In der Summe ergibt sich dann der Wust von Aufgaben, den ein „Klein-Unternehmer“ (9 bis 49 Mitarbeiter nach EU-Empfehlung 2003/361) nicht mehr sinnvoll bewältigen kann. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Michael Wippler, hat es auf den Punkt gebracht: „Entweder Sie kümmern sich um ihren Betrieb, oder Sie halten die Gesetze ein – beides zusammen geht nicht“.

Ein besonders schönes Beispiel für den inzwischen völlig abgehobenen Prüfwahnsinn bietet das Röntgen. Irgendwie hat man das Gefühl, einen Atomreaktor in kritischem Zustand zu betreiben. Gerätebücher, Unterweisungen, Aktualisierungsfortbildungen, Konstanz- und Sachverständigenprüfung. Jetzt will auch noch die Behörde Röntgengeräte regelmäßig in der Praxis prüfen. Der Chef des Berliner Flughafens, Engelbert Lütke Daldrup, beklagt, dass sich die Zahl der Bauvorschriften in den vergangenen 20 Jahren vervierfacht (!) hat. Er vermutet dahinter die Eigeninteressen von Ingenieuren in Ausschüssen, die auf Gutachteraufträge hoffen. Sowas würde es bei uns natürlich niemals geben, oder?

Wir Ärzte haben uns daran gewöhnen müssen, dass der Sinn unserer Leistungen nicht bloß behauptet werden darf, sondern unabhängig und streng wissenschaftlich überprüft werden muss – zum Beispiel durch das IQWiG. Viel  sinnvoller wäre ein IQWip – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Prüfwesen“, das die zahlenmäßige und inhaltliche Relevanz von Regulierungen und Prüfungen streng wissenschaftlich bewertet. Lautet das Urteil „unklar“, dann: Tschüss Prüfung!

Die Bundeszahnärztekammer engagiert sich schon lange beim Thema Bürokratieabbau. Dabei haben wir Lehrgeld gezahlt. Die Initiative des Normenkontrollrats hat uns nicht weit gebracht, weil ein viel zu kleines Bürokratie-Fenster betrachtet wurde – die sog. Berichtspflichten. Jetzt starten wir ein neues Konzept mit vier konkreten Forderungen:

  1. Neun Positionen, die unsere neue „Task Force Bürokratieabbau“ identifiziert hat, müssen verschwinden.
  2. Klares Konzept: One in, two out: Für eine neue Vorschrift, verschwinden zwei alte, bis der Wust beherrschbar ist. Dabei sollen bitte EU , Bund und Länder gemeinsam betrachtet werden und natürlich auch Kammern und KZVen.
  3. Digitalisierung ist keine Universallösung. Ein bescheuertes Formular wird auf dem Bildschirm nicht besser.
  4. Auch Zahnarztpraxen sind „kleine Unternehmen“. Warum vergisst uns das Bundeswirtschaftsministerium regelmäßig bei Bürokratiestudien und –konzepten?

Deutschland muss endlich lernen, Unsicherheiten auszuhalten und mehr Vertrauen zu wagen. Wer Mist baut, wird bestraft. Aber nicht alle anderen durch neue Vorschriften. Ganz ehrlich: ich habe wenig Hoffnung dass es besser wird….

Den Werder-Kommentar hätte ich mir gerne verkniffen, aber Sie wissen ja: Lebenslang Grün-Weiss. Das gilt auch  für die 2ter Liga. Und die wird es leider werden. Da bin ich mir sicher.

Mein weiser Spruch zum Abschluss stammt diesmal aus der Feder von Franz Kafka

„Verbringe nicht die Zeit mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da“

Gilt besonders für diejenigen bei den die Antworten auf Fragen oder Vorschläge mit ..ja, aber .. beginnen.

In diesem Sinne kommen Sie gut durch die Zeit und sorgen Sie für besseres Wetter

I h r

Dirk Schlieper