Liebe Patienten,

es ist zwar immer noch eine Corona-Ausgabe die Sie gerade lesen, aber das Thema ist doch abgeschwächt. Das ist auch gut so. Wir müssen lernen mit dem Virus umzugehen und damit zu leben. Die Politik hilft uns dabei nicht. Das hat Sie eindeutig in den letzten 3 Jahren bewiesen. RKI, die Impfkommissionen, Ärzteverbände – um die Virologen ist es merkwürdig ruhig geworden – und weitere Lobbyisten bepflastern uns mit Vorschlägen, Empfehlungen und anderem Unfug. Inzwischen blickt glaube ich kaum noch jemand durch im Dschungel der Vorschriften und Verbote. Das neue Infektionsschutzgesetz spiegelt auch nur die völlige Überforderung der Politik mit dem Thema dar.

Herr Lauterbach hat sich trotz positivem Restergebnis frühzeitig aus der Isolation entlassen, weil er sich für nicht mehr infektiös eingestuft hatte. Der Kanzler mit den Gedächtnislücken und sein Vize waren wie alle anderen Passagiere auf dem Flug nach Kanada ohne Maske abgebildet. Bravo meine Herren. Das nenne ich mal vorbildlich.

Die Energiekrise ausgelöst durch den Ukrainekrieg hat sich im Ranking ganz nach vorne abgesetzt. Gestern bekam ich von meinem Gasanbieter die Mitteilung das man meine Abschlagszahlung ab 1. Oktober um 45 % erhöht hat. Das ist doch schon mal eine Ansage. Ich denke das wird leider nicht das Ende der Fahnenstange sein. Die stetig steigende Inflationsrate ist da auch nicht gerade hilfreich. Ob alle den Ernst der Lage wirklich richtig begriffen haben glaube ich nicht. Beispiel?

1.

In der GN vom 25.08.2022 kündigt die Stadt Neuenhaus stolz an dass das Feuerwerk wenn auch in abgespeckter Form beim Stadtfest trotz Dürre und der Energiekrise abgefackelt wird. Erhöhte Präsenz der Feuerwehr soll die Sicherheit des Unterfanges gewährleisten. Wenn wir auf solche Dinge nicht verzichten können wird mir Angst und Bange wie wir die Zukunft bewältigen wollen.

2.

Am Wochenende habe ich mir in einer Eisdiele ein Eis gegönnt. Vor dem Geschäft saß ein älteres Ehepaar in ihrem SUV und genoss einen Becher. Wegen der Hitze bei laufendem (Diesel-) Motor und eingeschalteter Klimaanlage. Ich wollte erst etwas sagen, aber bei so viel Ignoranz fehlten mir die passenden Worte.

3.

Am Montag stand eine Empfehlung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg – Herrn Wilfried Kretschmann – in der Zeitung. Man solle den Waschlappen nutzen um Energie zu sparen statt zu duschen. Außerdem gab er preis ein E-Auto zu fahren und die Installation einer Pellet-Heizanlage in seinem Wohnhaus in Auftrag gegeben zu haben. Gute Ratschläge oder? Die Frage ist nur wie man sich das leisten kann und soll wenn man wie wir „Normalsterblichen“ nicht über ein fünfstelliges Monatsgehalt plus Boni verfügen . Kommentar eines GN-Lesers: wie beim Kanzler Hinweise auf ein Anfangsstadium der Demenz … Hoffen wir mal nicht.

Was gibt es Neues in der Praxis!

Zum Glück nicht viel. Wir sind alle noch gesund und munter beisammen und weiterhin für Sie da. Unvergessen unser Balou! Wir vermissen Ihn sehr.

Fachbeitrag dieser Ausgabe
Ärzte und Zahnärzte wüten gegen den „Bürokratie-Wahn“

Die Ärzteorganisation „Marburger Bund“ klagt bitter über einen Bürokratie-Irrsinn an Kliniken und fordert Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Krankenkassen zum sofortigen Umsteuern auf. „Trotz“ jahrlanger Bekenntnisse zum Bürokratieabbau wird der Dokumentationsaufwand immer absurder. Es ist zum Verzweifeln, das raubt uns alle Zeit, die wir nicht haben, sagte Susanne Johna Erste Vorsitzende des Marburger Bundes. Wie kann es sein, dass in einer Zeit, in der Stationen wegen fehlenden Personals verkleinert, Patienten abbestellt werden müssen, Ärztinnen und Ärzte täglich drei Stunden mit Dokumentationen und Datenerfassung von ihrer Arbeit abgehalten werden.

Kritik an der Ampel

Auf das im Ampel-Koalitionsvertrag vereinbarte Bürokratieabbau-Paket warten wir bislang vergebens, schimpfte Johna über Gesundheitsminister Lauterbach. Als ersten Schritt verlangte die Marburger-Bund-Chefin einen Realitätscheck: Die Ampel-Gesundheitspolitiker sollten sich dringend vor Ort anschauen, was da Tag für Tag passiere. Hinzu komme, dass viele vermeintliche Qualitätssicherungsinstrumente den Patienten überhaupt nichts brächten: „Ein immenser Teil der Bürokratie hat nichts mit Qualitätssicherung zu tun, sondern dient nur der Absicherung von Abrechnungen, weil dafür zahllose Zu- oder Abschläge dokumentiert werden müssen, jede zusätzliche kleine Nebendiagnose festgehalten werden muss“, schilderte Johna auch ihren eigenen Alltag. Etliche Ärzte und Pflegekräfte seien komplett aus der Versorgung raus und machten nichts Anderes als Kodieren und Abrechnen.

Verantwortlich für den „Wahnsinn“ machte Johna vor allem die Krankenkassen und deren Spitzenverband GKV. Die Misstrauenskultur auf Seiten der Kassen treibt inzwischen solche Blüten, dass ein großer Anteil der Finanzmittel von der Aufrechterhaltung des völlig übertriebenen Abrechnungsapparates aufgefressen wird“, so ihre Feststellung. Es gibt etliche Kanzleien und Beratungsunternehmen, die von nichts anderen leben, als von der Abrechnungskontrolle.

Es brauche „dringend mehr Vertrauen seitens der Kassen“, so der Appell der Marburger-Bund-Chefin. Es gebe klare Regeln und Leitlinien für Behandlungen. Die eingehalten würden. Zur Kontrolle reichten Stichprobenprüfungen statt Vollerfassung. Die Kassendevise lautet: Was nicht dokumentiert wird, das ist nicht erledigt worden. Das geht völlig an der Realität vorbei, sagte Johna.

Den Werder-Kommentar halte ich bewusst klein, obwohl ich nach dem Knaller in Dortmund eigentlich lange Zeilen schreiben könnte. Wie sagte einst Kaiser Franz: Schaun wir mal!

Der Spruch dieser Ausgabe spricht mir aus dem Herzen.

„Auf den Wegen der Freundschaft soll man kein Gras wachsen lassen“
– Marie Therese Rodet 1699-1777

In diesem Sinne:
Genießen Sie die Zeit und kommen Sie gut durch den Herbst

I h r Dirk Schlieper