Liebe Patienten,

als ich diese zweite Ausgabe von Praxis-Intern 2018 verfasst habe sind die olympischen Spiele in Südkorea gerade sehr erfolgreich für das deutsche Team zu Ende gegangen.

Werder Bremen hat  gestern das Derby gegen den HSV glücklich gewonnen. Ein Grottenspiel – ein sog. schmutziger Sieg. Und dafür bin ich bei eiskaltem Wetter fast 200 km hin-  und  zurückgefahren . Aber was tut man nicht alles als Fan für „seine Mannschaft“.

Eine Bundesregierung haben wir immer noch nicht. Die SPD Mitglieder müssen sich erst noch entscheiden. Warum haben wir eigentlich gewählt? Aber mit dem Wählervotum konnten unsere Politiker ja nichts anfangen. Mein Vorschlag wäre gewesen:  Alle in einer großen Halle mit Übernachtungsmöglichkeit unterbringen, für das leibliche Wohl sorgen und erst wieder herauslassen, wenn Sie eine handlungsfähige Regierung gebildet haben. Wetten das wir schon im Oktober letzten Jahres ein Ergebnis gehabt hätten? Stattdessen haben Sie uns ein Stück aus dem Tollhaus vorgespielt  dass in einer Mitgliederbefragung der SPD Mitglieder endet. Jetzt entscheiden einige wenige über den Ausgang des Possenspieles. Tut mir Leid liebe Politikerinnen und Politiker  – aber Demokratie geht anders. Vertrauensbildend ist dieser Weg nicht und erfolgversprechend auch nicht. Ich denke wir alle haben etwas Besseres verdient.

Themawechsel:  am ersten März ist zwar meterologischer Frühlingswechsel, aber der Winter hat uns noch fest im Griff. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Mein Mountainbike und mein Motorrad warten noch auf Ihren ersten Einsatz.

Was gibt es neues in der Praxis?

Wir haben uns mit den neuen zahnärztlichen Untersuchungsheften für Kinder vom ersten bis sechsten Lebensjahr vertraut gemacht. Sie sind wesentlich besser als die alten. Fragen Sie gerne meine Mitarbeiterinnen wenn Sie Kinder in dem o.g. Alter haben und noch kein solches  Heft angelegt ist. Ein Quereinstieg ist jederzeit möglich. Ab dem 6ten Lebensjahr können wir dann mit dem  Individualprophylaxeprogramm beginnen. Mein Apell im letzten Praxis Intern hat offenbar gefruchtet. Anfärbung, Pulverstrahl und Zungenreinigung erfreuen sich zunehmender Akzeptanz. Weiter so ..

Den Fachbeitrag in diesem Praxis Intern überlasse ich dem Kollegen Neubarth der Mitglied im Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Niedersachsen ist. Er befasst sich mit dem Thema „MVZ “ medizinische Versorgungszentren. Damit werden wir uns leider auseinandersetzen müssen.

In Niedersachsen bestehen mit Stand vom Oktober letzten Jahres 29 Medizinische Versorgungszentren (MVZs) und zur nächsten Zulassungsausschusssitzung im November liegen bereits weitere 8 Zulassungsanträge vor. Eine Sättigung in dieser steil nach oben gerichteten Kurve ist vermutlich noch lange nicht erreicht. Die bisher zugelassenen MVZs verteilen sich ungleich auf Stadt und Land; Groß-MVZs finden sich bevorzugt in Großstädten mit Uni-Standorten und nicht etwa auf dem flachen Land, um dort die Versorgung zu verbessern.

Ehemalige Berufsausübungsgemeinschaften (BAGs)“firmieren“ gerne in MVZs um, weil sie damit auch die Regelung umgehen, nur zwei Zahnärzte in Vollzeit anstellen zu dürfen, denn MVZs dürfen – und das ist politisch gewollt – unbegrenzt Zahnärzte anstellen. Die rapide Ausbreitung dieser MVZs wird erhebliche Auswirkungen auf Patientenfrequenzen und ströme, die Behandlungsqualität sowie vor allem auf die wichtige flachendeckende Versorgung insbesondere in unserem Flächenland Niedersachsen haben. Nicht ohne Grund sind schon jetzt die MVZs stärker in den Fokus international agierender Investoren geraten, die sich als Kapitalgeber positionieren. Dabei folgen Investoren in keinster Weise einem anthroposophischen Ansatz und sie haben nicht primär die optimale Patientenversorgung im Blick, sondern die optimale Rendite ihres eingesetzten Investments.

In der Konsequenz kommt in dieser Konstellation auch das Vertrauensverhältnis zwischen Zahnarzt und Patient unter die Räder. Es kann nicht angehen, dass beispielsweise international agierende Kaffeeröstereien oder Fondsgesellschaften zu Geldgebern für unseren Berufsstand werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die Politik! Beispiele für dieses Geschäftsmodell gibt es bereits in vielen europäischen Ländern. So betreibt beispielsweise eine „Company“ mit Sitz in Zürich in Europa mittlerweile 200 Zenten mit 900 Zahnärzten. Familienunternehmen, die bereits medizinische Kliniken betreiben, haben jetzt das Feld der Zahnmedizin entdeckt und kaufen Praxisstrukturen in mittelgroßen Städten auf, um sie zu MVZs umwandeln.

Ganz sicher ahnte der deutsche Verordnungsgeber, als er diese nicht fachübergreifenden MVZs per Gesetz – GKV/VSG – auf den Weg brachte nicht, zu welchen unerwünschten Nebenwirkungen diese Versorgungszentren führen würden.

Den MVZs kommt gelegen, dass wir heute bei den Studienabgängern eine Frauenquote von 80 % haben. Aufgrund einer Doppelbelastung und der Familienplanung wollen viele Studienabgängerinnen zunächst in einem Angestelltenverhältnis flexibel bleiben. Die Bindung in eigener Praxis steht der Lebensplanung oftmals entgegen, so dass es reizvoller erscheinen mag in MVZ-Strukturen zu arbeiten und sich mit geringerer Entlohnung abzufinden. Wirklich attraktive Einkommen kann ein MVZ nicht leisten, da zusätzliche Kosten für Praxismanagement, kaufmännische Leitung und – nicht zu vergessen  – die Rendite der Kapitalgeber zu erwirtschaften sind. Eine hohe Fluktuation der zahnärztlichen Angestellten in diesen Großstrukturen ist die Folge, was der Versorgungsqualität natürlich auch nicht zugutekommt.

Verhindern lassen sich die MVZs nicht, wir müssen aber gegenüber der Politik die Bevorzugung dieser Strukturen – vor allem im Hinblick auf die Zahl der Angestellten – massiv reklamieren und dem Gesetzgeber zeigen, dass diese Entwicklung zu völligen Verwerfungen der Versorgungslandschaft führt, die er so sicherlich nicht gewollt haben wird. Qualität und Sicherstellung sind hier unser Pfund, mit dem wir niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte, vor allem in der Einzelpraxis, wuchern müssen und wo wir zeigen können, wie Patientenversorgung funktioniert. Langjährig  qualitätsbewusst und vertrauensvoll. Lassen Sie uns weiter daran arbeiten – zum Wohle unserer  Patienten.

Ein beängstigendes Thema. Finden Sie nicht? Aber leider realitätsnah beschrieben und kommentiert.

Natürlich gibt es auch diesmal zum Abschluss einen Spruch.

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende (Demokrit)

Kommen Sie in diesem Sinne gut durch die Zeit und freuen Sie sich auf den Frühling.

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Dirk Schlieper